HiFi-KlassikerRatgeberTonabnehmer
Osawa Tonabnehmer: die Shelter-Vorgänger von Yazuo Osawa mit allen Daten
Yazuo Osawa entwarf von 1982 bis 1986 Tonabnehmer bei Fidelity Research, ließ seine MM-Systeme bei Nagaoka bauen und gründete danach Shelter. Hier stehen die Daten der Osawa OS 301, OS 201 und des mit Nagaoka baugleichen OS-300MP, die Geschichte von Nagaoka und Jewel Tone und die Antwort auf die Frage, an welchen Tonarm ein Osawa gehört.
- Konstrukteur
- Yazuo Osawa
- Bei Fidelity Research
- 1982 bis 1986
- MM-Fertigung
- Nagaoka
- Nachfolgemarke
- Shelter, ab ca. 1986
- Nadel OS 301
- elliptisch 0,3 × 0,7 mil
- Abschluss
- 47 kΩ (MM)
Von Fidelity Research zu Shelter
Yazuo Osawa war von 1982 bis 1986 Cartridge Designer und Entwickler bei Fidelity Research. Die ersten Tonabnehmer die in eigener Regie hergestellt wurden trugen noch den Namen Osawa. Sie gehörten damals schon zur Spitzenklasse. Die MM Tonabnehmer wurden nach den Entwürfen Osawas von NAGAOKA produziert. Da die Stückzahlen nur bescheiden waren sind Osawa Tonabnehmer heute nur wenigen HiFi Freunden bekannt. Unter dem Markennamen Shelter stellt Yazuo Osawa seit etwa 1986 Tonabnehmer und Übertrager her.
Interessant ist dass die Modellbezeichnungen zum Teil schon von Fidelity Research (FR) und nun auch von Shelter verwendet wurden oder noch verwendet werden, z.B. 101, 301 usw.
Ein Osawa-MM-System braucht einen Phono-Eingang mit 47 kΩ; den bringen längst nicht alle heutigen Verstärker mit. Unsere HiFi-Receiver-Kaufberatung zeigt die aktuellen Geräte mit Phono-Eingang.
Die Osawa-Modelle: MC und MM
Osawa Tonabnehmer: MC: Osawa OS 70L Mirage, Osawa OS-80L, Osawa OS-60L (1982), MM: Osawa MP 15, Osawa OS 301, Osawa OS 201, Osawa OS 102, Osawa OS 202, Osawa OS 302, Osawa OS 101, uA.
Z.B. das Spitzenklasse System OS 301 zeichnet sich durch eine absolut räumliche und transparente Wiedergabe aus. Basstüchtiges System, tiefste Töne werden präzise und detailreich wiedergegeben.
Die MC-Systeme OS 60L, OS 70L Mirage und OS 80L sind die seltenen Stücke: Ihre Ausgangsspannung liegt wie bei jedem MC weit unter der eines MM-Systems, du brauchst dafür einen MC-Eingang oder einen Übertrager, wie Shelter sie bis heute baut. Die MM-Reihe von OS 101 bis OS 302 läuft an jedem 47-kΩ-Phono-Eingang; vollständige Datenblätter haben wir nur für OS 301, OS 201 und den OS-300MP, sie stehen unten.
MM-Systeme für schwere und mittelschwere Tonarme
Osawa OS 301 und OS 201
Beide Systeme teilen sich Gehäuse, Gewicht und die elliptische Nadel; der OS 301 ist das Spitzenmodell mit größerer Bandbreite und besserer Kanaltrennung, der OS 201 verlangt etwas mehr Auflagekraft. Die Nadelnachgiebigkeit von 5,1 und 4,5 µm/mN ist für ein MM-System niedrig, deshalb schreibt Osawa beide für schwere und mittelschwere Tonarme aus; an einem leichten Arm liegt die Resonanz zu hoch.
| Merkmal | Osawa OS 301 | Osawa OS 201 |
|---|---|---|
| Prinzip | MM | MM |
| Ausgangsspannung | 2,8 mV | 2,8 mV |
| Nadel | elliptisch 0,3 × 0,7 mil | elliptisch 0,3 × 0,7 mil |
| Nadelnachgiebigkeit | 5,1 × 10⁻⁶ cm/dyn = 5,1 µm/mN | 4,5 × 10⁻⁶ cm/dyn = 4,5 µm/mN |
| Nadelträger | Aluminium-Legierung | Aluminium-Legierung |
| Auflagekraft | 1,5–2,0 g ideal 1,75 g | 1,7–2,3 g ideal 2 g |
| Frequenzgang | 20–25.000 Hz | 20–22.000 Hz |
| Kanaltrennung | 24 dB | 20 dB |
| Abschlussimpedanz | 47 kΩ | 47 kΩ |
| Gewicht | 7,4 g | 7,4 g |
| Tonarm | schwer und mittelschwer | schwer und mittelschwer |
Werte aus den Osawa-Datenblättern im Archiv. 1 × 10⁻⁶ cm/dyn entspricht 1 µm/mN.
MM-System, baugleich bei Nagaoka und Osawa
Nagaoka OS-300MP und Osawa OS-300MP
Weitere baugleiche Systeme waren: OS-100 und OS-200
-
Osawa OS-300MP in der Verpackung: Carbon-Nadelträger und nackte elliptische Nadel, unten das Logo „OSAWA means quality“. Foto: Archiv hifi-studio.de -
Nagaoka OS-300MP: dieselbe Schachtel mit Nagaoka-Schriftzug, daneben das System in der Dose, eine Ersatznadel und die Anleitung. Foto: ilmondodelgiradischi
| Prinzip | MM |
|---|---|
| Frequenzgang | 20–22.000 Hz |
| Ausgangsspannung | 4 mV 1 kHz |
| Kanaltrennung | 25 dB 1 kHz |
| Kanalbalance | 1,5 dB 1 kHz |
| Empfohlene Last | 30 kΩ |
| Nadel | 0,3 × 0,7 mil, Diamant elliptisch |
| Nadelträger | Carbonfaser |
| Effektive Nadelmasse | 0,6 mg |
| Compliance dynamisch | 9 × 10⁻⁶ cm/dyn = 9 µm/mN |
| Compliance statisch | 20 × 10⁻⁶ cm/dyn = 20 µm/mN |
| Auflagekraft | 1,5–2,0 g optimal 1,7 g |
| Gewicht | 5,5 g |
Vom OS-100 und OS-200 kennen wir nur die Namen. Du hast ein Datenblatt oder eine Verpackung mit Daten? Schreib uns.
Man kann davon ausgehen dass Nagaoka die Tonabnehmer: OS-300MP, OS-100 und OS-200 für Osawa gefertigt hat. Es war durchaus üblich dass Firmen Fremdfabrikate unter dem eigenen Namen anboten um die eigene Angebotspalette zu erweitern oder weil sie selbst keine Tonabnehmer herstellten. Z.B. AUREX C-310M
Die beiden Verpackungen oben sind bis auf den Schriftzug identisch, und das gilt auch für den Inhalt: Carbon-Nadelträger, nackter elliptischer Diamant, 5,5 g Gewicht. Mit 9 µm/mN dynamischer Nachgiebigkeit ist der OS-300MP nachgiebiger als OS 301 und OS 201 und damit die bessere Wahl für mittelschwere Arme. Nagaoka fertigt bis heute MM-Systeme mit steckbaren Nadeln, die Chance auf Ersatz ist beim OS-300MP deshalb größer als bei den Osawa-eigenen Modellen.
Nagaoka, Jewel Tone
Die Firma Nagaoka wurde 1940 als feinmechanischer Betrieb für Uhrenlager gegründet. Heute ist Nagaoka in erster Linie ein Spezialist für die Präzisionsbearbeitung hochfester Werkstoffe wie Diamant und Keramik. Die ersten Tonabnehmer für Plattenspieler wurden in den 50er Jahren hergestellt. Nagaoka war Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in Nordamerika in erster Linie für Aufnahme Zubehör und Phono Pflege Zubehör bekannt und beliebt. In Japan, Europa und speziell in Deutschland war Nagaoka mehr für Tonabnehmer (diese wurden ursprünglich unter dem Namen Jeweltone verkauft) bekannt. Nagaoka verkaufte erstmals ab 1979 Tonabnehmer unter eigenem Namen. Wie bei vielen MM Tonabnehmer Herstellern teilten sich Nagaoka’s Modellpalette Gehäuse, Nadelträger und vor allem die Nadelprofile. Ein weiteres gemeinsames Merkmal der Nagaoka Tonabnehmer waren ihre großen flachen und sehr robusten Montageplatten, die eingesetzten Kunststoffe und / oder Legierungen. Der MP10 (farbiges Gehäuse) war das Einstiegsmodell, hatte eine konische Nadelspitze und einen hohlen Aluminium Nadelträger. Das nächste Modell, war der MP11 mit einer elliptischen Nadel, montiert auf einen Nadelträger aus Metall. Beim beliebten MP11 Boron (schwarz gefärbtes Gehäuse mit goldener Schrift auf der Seite) wurde oft angenommen dass er einen Boron Nadelträger hat, aber er unterschied sich von dem grundlegendem MP11 durch einen Boron Schaft welcher die Nadelspitzen Masse reduziert. Das Top-Modell der MP50 (goldfarbenes Gehäuse) hatte eine elliptische Nadel und der austauschbare Nadelträger war starr mit Sechskantschrauben fixiert.
Die Jewel Tone Systeme waren: Jeweltone MP-10J, Jeweltone MP-11J, Jeweltone JT-311, Jeweltone MP-10H, Jeweltone JT-110, Jeweltone JT-330, Jeweltone JT-555, Jeweltone JT-322, Jeweltone JT-120, Jeweltone MP-15J, Jeweltone MP-15H, Jeweltone MP-20J, Jeweltone MP-30J, Jeweltone MP-30H, Jeweltone JT-R II (MC), Jeweltone JT-R III (MC), Jeweltone MP-50J, Jeweltone MP-50H.
Wer die Platte kabellos im Haus verteilen will, hängt einen Bluetooth-Transmitter (Sender) an den Tape-Ausgang; für Streaming in dieselbe Anlage reicht ein Netzwerkplayer.
Welcher Tonarm passt zu einem Osawa?
Die Angabe „für schwere und mittelschwere Tonarme“ auf den Datenblättern hat einen Grund, und er steht in der Zeile Nadelnachgiebigkeit. Arm und System bilden ein Feder-Masse-System, dessen Resonanz zwischen 8 und 12 Hz liegen soll. Mit 5,1 µm/mN beim OS 301 und 7,4 g Systemgewicht landet die Resonanz an einem leichten Arm mit 8 g effektiver Masse bei rund 18 Hz, mitten im Bereich, in dem Rumpeln und Verwellungen die Nadel anregen. An einem schweren Arm mit 20 g rutscht sie auf rund 13,5 Hz, mit einem zusätzlichen Headshell-Gewicht darunter. Japanische Hersteller messen die Nachgiebigkeit bei 100 Hz; für den Resonanzrechner bei 10 Hz rechnest du grob mit dem 1,5- bis 2-fachen Wert, dann passt ein Arm mit 14 bis 18 g effektiver Masse.
Der OS-300MP mit 9 µm/mN dynamisch und 5,5 g sitzt entspannter: An einem mittelschweren Arm mit 12 g liegt die Resonanz bei knapp 13 Hz, mit dem Zuschlag für 10 Hz bei gut 10 Hz und damit im Zielbereich. Rechne deine Kombination mit dem Resonanzrechner auf der Tonarm-Seite nach; dort stehen auch die effektiven Massen von 115 klassischen Armen, vom leichten SME 3009 bis zum schweren Fidelity Research FR-66 S.





Kommentarbereich geschlossen.