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Quadrophonie: Vierkanal-Stereo auf Schallplatte, von CD-4 bis SQ
Vier Kanäle statt zwei: Von 1971 bis 1979 verkauften JVC, CBS, Sansui, Denon und fast jeder große Hersteller Quadrophonie, mit drei Verfahren, die sich gegenseitig ausschlossen. Hier stehen die Systeme CD-4, SQ, QS und UD-4 im Vergleich, die Tonabnehmer, die CD-4 abtasten können, 33 SQ-Platten von Columbia und Epic, die Decoder und was du heute brauchst, um eine Quadro-Platte wieder vierkanalig zu hören.
Kurz gesagt
Quadrophonie heißt vier Kanäle: links und rechts vorn, links und rechts hinten, aufgenommen mit mindestens vier Mikrofonen. Auf der Schallplatte gab es dafür drei Wege. CD-4 von JVC schneidet alle vier Kanäle getrennt in die Rille und braucht dafür einen Tonabnehmer mit Shibata-Nadel und einen Demodulator; das ist das einzige Verfahren mit echter Kanaltrennung. SQ von CBS und QS von Sansui verschlüsseln die vier Kanäle in ein Stereosignal, das jeder Tonabnehmer abtastet und ein Decoder im Verstärker wieder aufteilt, mit deutlich weniger Trennung. 1979 war Quadrophonie vorbei. Wer heute eine Quadro-Platte vierkanalig hören will, braucht das Verfahren der Platte, den passenden Decoder und vier Verstärkerkanäle; ein AV-Receiver dekodiert weder CD-4 noch SQ.
CD-4, SQ, QS und UD-4 im Vergleich
Die vier Verfahren unterscheiden sich darin, wie die vier Kanäle in die Rille kommen und was du zum Abspielen brauchst.
| Merkmal | CD-4 | SQ | QS / Regular Matrix | UD-4 |
|---|---|---|---|---|
| Entwickler | JVC | CBS, Decoder u. a. Sony | Sansui; RM-Varianten Toshiba QM, Kenwood QR, Denon QX-4 | Denon, 1974/75 |
| Verfahren | diskret: vier Kanäle getrennt, 30-kHz-Träger in der Rille | Matrix: 4 Kanäle in 2 kodiert | Matrix: 4 Kanäle in 2 kodiert | Matrix plus Trägersignal |
| Tonabnehmer | Shibata-Nadel nötig | jeder Tonabnehmer | jeder Tonabnehmer | Denon DL-103S und Impedanzwandler AU-320 |
| Decoder | CD-4-Demodulator | SQ-Decoder | QS-/RM-Decoder | nur Denon UDA-100 mit CD-4-Demodulator |
| Kanaltrennung | hoch, Kanäle bleiben getrennt | eingeschränkt, Mitte fehlt zum Teil | eingeschränkt | besser als SQ und QS |
| Platten | ja, begrenzt | ja, begrenzt (Columbia, Epic) | ja, begrenzt | wenige |
| Stereo-Wiedergabe | ja, nutzt den Träger ab | ja | ja | ja |
Angaben aus dem Archiv. Vari-Matrix von Marantz ist eine weitere Matrix-Variante; einige Geräte hatten Decoder für mehrere Verfahren an Bord.
1971 bis 1979: drei Lager und keine Norm
1971 wurden Arbeiten zum Thema QUADROPHONIE veröffentlicht. Die ersten Geräte kamen aus Japan und den USA. In Deutschland wurden Quadrophonie Geräteprototypen deutscher Fertigung (Elac, Telefunken) auf der Funkausstellung 1973 gezeigt. Ursprünglich gab es eine Methode das Stereosignal auf vier Kanäle zu verteilen, CD 4 Quadrophonie, ein Standard den JVC erfand. Es folgten SQ, (Sony CBS) Vari Matrix (Marantz) und Regular Matrix (Toshiba. QM, Kenwood: QR, Denon: QX-4). Sansui entwickelte ein eigenes System, QS. Wie so oft konnten sich die Gerätehersteller nicht auf eine Norm verständigen. Jeder hielt seine Entwicklung für die beste Lösung. Die Lager spalteten sich. Sony z.B. setzte auf SQ Quadrophonie. Ebenso AR, Audionics, Aiwa, Benjamin, EICO, Electro Voice, Electrophonic, Emerson, Fisher, Harman Kardon, Hitachi, Kenwood, KLH, Lafayette, Lloyds, Masterwork, Major, Marantz, Metrotec, Olson Electronic, Onkyo, Pacific, Philco, Pilot, Pioneer, Radio Shack, Rotel, Scott, Soundesign, Superscope, Teledyne Packard Bell, TELEX, Tele-Tone, Toshiba, VM und andere. Marantz setzte noch einen drauf, Vari Matrix. Obwohl einige Hersteller dazu übergingen Decoder für mehrere Quadroverfahren einzubauen spielte die Plattenindustrie nicht mit. Verständlich da es aus wirtschaftlichen Gründen mehr als sinnlos ist eine Schallplatte in vier Quadrophonie Variationen herzustellen. SQ und QS ähnelten sich, lediglich CD 4 unterschied sich dadurch dass die vier Kanäle mehr von einander getrennt wurden. Wenn man so will der Vorläufer von Surround. Es gab Schallplatten in SQ und CD 4. Allerdings nicht übermäßig viele. Für die Aufnahmen wurden mindestens vier Mikrofone verwendet. In jeder Ecke eins. Das Ergebnis war ein bis dahin noch nicht gekanntes Hörerlebnis. Absolute räumliche Wiedergabe. Voraussetzung waren allerdings geeignete Verstärker und Receiver sowie spezielle (CD-4) Tonabnehmer für den verwendeten Plattenspieler und vier Lautsprecher. Was die Qualität der Quadrophonie Wiedergabe anbelangt kann man alle Matrixverfahren getrost vergessen.
Wer die Geräte sehen will: Sansui hat mit QS ein eigenes Verfahren entwickelt, die QS-Decoder und die QRX-Receiver stehen auf der Sansui-Seite. Marantz hatte mit Vari-Matrix ein eigenes Verfahren und mit dem 4400 seinen größten Quadro-Receiver, beides auf der Marantz-Seite; die QX-Receiver von Pioneer und die SA-Quadro-Receiver von Technics findest du auf den Seiten von Pioneer und Technics.
CD-4 oder SQ: wo der Unterschied liegt
Die besten Resultate / Qualität hatte CD-4. Der Unterschied zwischen CD 4 und SQ Quadrophonie besteht darin dass bei CD 4 vier Kanäle separat aufgezeichnet wurden 4 Mikros, 4 Verstärker für die Aufnahme und ein 4 Kanal Tonbandgerät. Die Herstellung der Schallplatten beruhte darauf dass jeder der 4 Kanäle in die Platte geschnitten wurde und zusätzlich noch eine 30 kHz Trägerfrequenz. Die Wiedergabe der Schallplatte erforderte außerdem bei den Tonabnehmern einen speziellen Schliff der Nadel (Shibata). Normale Nadeln hatten einen elliptischen Schliff. Ein CD 4 Demodulator war erforderlich.
Bei SQ wurden ebenfalls 4 Mikrofone und 4 Verstärker für die Aufnahme verwendet. Jedoch wurde die Aufnahme der 4 Kanäle in ein 2 Kanal Stereosignal kodiert und in die Schallplatte geschnitten. Zur Wiedergabe reichte ein Tonabnehmer mit konventionellem Nadelschliff. Das abgetastete Signal wurde in den, in den Geräten vorhandenen SQ Demodulatoren, wieder in ein 4 Kanal Signal umgewandelt. Der Vorteil, weniger Aufwand bei der Plattenherstellung und die Verwendung eines Standardtonabnehmers. Der Nachteil, bei der Wiedergabe fehlte zum Teil die entscheidende Mitteninformation, heute bei Dolby Digital der Centerspeaker. Das Hörerlebnis bei CD 4 Wiedergabe entspricht (theoretisch) weitestgehend heutiger Dolby Digital Wiedergabe. Wobei man fairerweise sagen muss dass das Hörerlebnis bei CD-4 wesentlich besser ist als wenn man Schallplatten über einen AV Receiver wiedergibt. Das liegt daran dass das Signal der Schallplatte im AV Receiver nur in ein Surroundsignal umgewandelt wird. Bei Quadrophonie dagegen hat man das räumliche Hörerlebnis wie in einem Konzertsaal. 1979 wurde leider die Quadrophonie „beerdigt“. Hätte jemand damals schon einen CD Spieler erfunden wäre die Entwicklung garantiert anders verlaufen. Die ersten CD Spieler kamen 1982.
UD-4 von Denon
1974 entwickelte DENON das UD-4 Verfahren. Es wurde Anfang 1975 der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieses Verfahren sollte die Vorzüge des CD 4 Systems und die der SQ, QS/RM Systeme vereinigen. Eine Erhöhung des Signal Fremdspannungsabstand und Verringerung von Verzerrungen waren möglich. Eigentlich eine gute Idee, kam aber viel zu spät. Außerdem war der technische Aufwand was das Equipment anbelangte viel zu hoch. Es wurde ein spezieller Decoder benötigt, diesen gab es nur von DENON (UDA-100). Um alle Vorteile genießen zu können auch noch ein spezieller Tonabnehmer (DENON DL-103s) und dazu einen Impedanzwandler (DENON AU-320). UD-4 blieb bei wenigen Schallplatten. Der DENON UDA-100 hatte auch einen CD-4 Demodulator eingebaut.
Quadrophonie-Tonabnehmer: CD-4-geeignet
Diese Systeme tasten den 30-kHz-Träger von CD-4-Platten ab. Zwei davon sind Electret-Kondensatorsysteme, die einen eigenen Phonovorverstärker brauchen; der Technics-Demodulator SH-400 hatte ihn eingebaut.
| Hersteller | Modelle | Hinweis |
|---|---|---|
| Audio-Technica | SL-20A, AT15Sa/G, AT-VM35F, AT14S, AT12Sa | CD-4-Nadelschliff (Shibata) |
| AKG | PU 4E | CD-4-Nadelschliff |
| Bang & Olufsen | MMC-5000, MMC-6000 | CD-4-Nadelschliff, MMC-System |
| Elac | STS-655 D4 | CD-4-Nadelschliff, D4 im Namen |
| Empire | 4000 D I, 4000 D II, 4000 D III | CD-4-Nadelschliff |
| JVC | 4MD-10X, 4MD-20X, X1 | vom CD-4-Erfinder |
| Micro Seiki | VF 3500/F | CD-4-Nadelschliff |
| Ortofon | SL-15 Q | MC-System, Übertrager oder MC-Eingang nötig |
| Philips | Super M-422 | CD-4-Nadelschliff |
| Pickering | XUV 4500 Q | CD-4-Nadelschliff |
| Shure | M 24 H | CD-4-Nadelschliff |
| Toshiba | C-404S | Electret-Kondensator, eigener Phonovorverstärker nötig |
| National Panasonic | EPC-450C II | Electret-Kondensator, eigener Phonovorverstärker nötig |
Liste aus dem Archiv; ob ein System an deinen Arm passt, rechnest du mit dem Resonanzrechner auf der Tonarm-Seite nach.
Aufnahmen in Quadrophonie (SQ)
Hier nur ein kleiner Auszug: 33 SQ-Platten von Columbia, Columbia Masterworks, Epic und einem Custom Label mit ihrer Katalognummer. Suche nach Künstler, Titel oder Nummer.
33 Platten angezeigt
| Künstler | Titel | Nummer |
|---|---|---|
| Columbia | ||
| Santana | Abraxas | CQ 30130 |
| Janis Joplin | Pearl | CQ 30322 |
| Barbra Streisand | Stoney End | CQ 30378 |
| Lynn Anderson | Rose Garden | CQ 30411 |
| Original Cast | No, No, Nanette | SQ 30563 |
| Santana | CQ 30596 | |
| Ten Years After | A Space in Time | CQ 30801 |
| Miles Davis | Live Evil | CQ 30954 |
| Funny Girl | Soundtrack | SQ 30992 |
| Simon & Garfunkel | Bridge over Troubled Water | CQ 30995 |
| Miles Davis | Bitches Brew | GQ 30997 |
| Peter Mata | Quadraphonic | CQ 31247 |
| Percy Faith | Joy | CQ 31301 |
| Andy Williams | Love Theme | CQ 31303 |
| Santana | Caravanserai | CQ 31610 |
| Carlos Santana & Buddy Miles | Live | CQ 31308 |
| Columbia Masterworks | ||
| Verdi | Requiem (Bernstein) | M2Q 30060 |
| Richard Strauss | Also sprach Zarathustra (Bernstein) | MQ 30443 |
| Sidewinder | MQ 30683 | |
| Leonard Bernstein | Mass | M2Q 31008 |
| Walter Carlos | Switched-On Bach | MQ 31018 |
| Morton Subotnick | Touch | MQ 31019 |
| Strawinsky | Petruschka | MQ 31076 |
| E. Power Biggs | Music for Organ, Brass & Percussion | MQ 31193 |
| Tschaikowsky | 1812 Overture | MQ 31276 |
| Columbia Brass Ensemble | Music for Brass | MQ 31289 |
| Boulez conducts Bartók | The Miraculous Mandarin | MQ 31368 |
| Strawinsky | Le Sacre du Printemps (Bernstein) | MQ 31520 |
| Epic | ||
| Sly & The Family Stone | Greatest Hits | EQ 30325 |
| Chase | EQ 30472 | |
| Jeff Beck Group | EQ 31331 | |
| Redbone | Message from a Drum | EQ 30815 |
| Custom Labels | ||
| Kris Kristofferson | Border Lord | ZQ 31302 |
Katalognummern aus dem Archiv. CQ, SQ, GQ, MQ, M2Q, EQ und ZQ sind die SQ-Serien der Labels; die Stereo-Ausgabe derselben Platte trägt eine andere Nummer.
Decoder, Demodulatoren und Receiver
Separater CD-4 Quadrophonie Demodulator Technics SH-400 mit eingebautem Phonovorverstärker für Electret-Kondensator-Systeme. Viele Firmen boten diese CD 4 Demodulatoren an, JVC als Erfinder des Verfahrens mit dem Demodulator CD-4. Für SQ gab es eigene Decoder wie den Sony SQD-2020 mit vier VU-Metern für die Pegel vorn und hinten. Receiver wie der Pioneer QX-8000 hatten Decoder und vier Endstufen im Gehäuse: Plattenspieler anschließen, vier Boxen aufstellen, fertig.
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Technics SH-400: CD-4-Demodulator mit Phonovorverstärker für Electret-Kondensator-Systeme. Foto: Archiv hifi-studio.de -
JVC CD-4: der Demodulator des Erfinders von CD-4. Foto: Archiv hifi-studio.de -
Pioneer QX-8000: Quadrophonie-Receiver mit vier Endstufen im Holzgehäuse. Foto: Archiv hifi-studio.de -
Sony SQD-2020: SQ-Decoder, die vier Instrumente zeigen die Pegel vorn und hinten für links und rechts. Foto: Archiv hifi-studio.de
Quadro-Platten heute abspielen
Zuerst liest du die Hülle: CD-4-Platten tragen das CD-4-Logo, SQ-Platten den SQ-Schriftzug und die Q-Nummern aus der Tabelle oben, QS-Platten das QS- oder RM-Zeichen. In Stereo laufen alle drei auf jedem Plattenspieler. Für SQ und QS bleibt das Signal dabei vollständig, die vier Kanäle stecken verschlüsselt im Stereosignal. Eine CD-4-Platte spielt in Stereo ebenfalls, aber mit einer elliptischen Nadel reibst du den 30-kHz-Träger mit jedem Durchlauf ein Stück weiter ab; wer die Platte später noch vierkanalig hören will, legt sie nur mit Shibata- oder Line-Contact-Nadel auf.
Für echte vier Kanäle brauchst du das Verfahren der Platte, den passenden Decoder und vier Verstärkerkanäle mit vier Boxen. Bei CD-4 heißt das: Tonabnehmer aus der Tabelle oben oder ein aktuelles System mit Shibata-Nadel, ein CD-4-Demodulator wie der Technics SH-400 oder ein Receiver mit eingebautem Demodulator, dazu kurze, kapazitätsarme Phonokabel, weil der Träger bei 30 kHz liegt. Bei SQ und QS reicht ein normales System, der Decoder sitzt in einem Quadro-Receiver oder in einem Zusatzgerät wie dem Sony SQD-2020 beziehungsweise den QS-Decodern von Sansui. Ein AV-Receiver dekodiert keines der drei Verfahren; was er mit einer Stereo-Platte in seinen Surround-Modi macht, ist ein Raumklangeffekt, keine Rückgewinnung der vier Kanäle.
Mein Rat für den Einstieg: Nimm einen Quadro-Receiver mit eingebauten Decodern, der mehrere Verfahren beherrscht, dazu vier gleiche Regalboxen in den Raumecken. Damit spielst du SQ- und QS-Platten sofort, und für CD-4 kommt die Shibata-Nadel dazu. Die Receiver dieser Zeit sind auch in Stereo vollwertige Geräte, es ist also kein Geld für ein Experiment, sondern für eine Anlage.







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